Vergebliche Forschung zu "Milbenkot"
| English version |
Auf der Suche nach geeigneten Themen für eine Veröffentlichung kamen Paläobotaniker auf das scheinbar vernachlässigte Feld dunkler Klümpchen, die stellenweise in großer Menge innerhalb und außerhalb von Holz und anderem Pflanzengewebe zu finden sind. Ungeachtet rechtzeitiger Warnung, die Ähnlichkeit der Klümpchen mit Kotballen sei möglicherweise nur scheinbar [1], breitete sich die Deutung als Koprolithen unter Paläobotanikern weltweit aus [2-7]. Gegenteilige Belege wurden von den Autoren [3-7] ignoriert. Zwischen den zahlreichen angeblichen Milben-Koprolithen fand man keine Milben. Jenen Autoren war es nicht aufgefallen, dass die Größen und Formen der Klumpen oft zu den benachbarten Zellen mit ihren Kanten und Flächen passen, wie schon in [10, 11] angemerkt. Dieser klare Sachverhalt hätte sie veranlassen müssen, die Deutung der Klumpen als Koprolithen aufzugeben. Um diesbezügliche wissenschaftliche Diskussionen zu vermeiden, hat Prof. R. Rössler (Chemnitz) einen Anwalt beauftragt, zu erklären, seine Deutung als Koprolithen sei "Stand der Wissenschaft". Nach wiederholten Hinweisen auf die Fehldeutung seit 2007 hat er diese Deutung anscheinend aufgegeben.
Kürzlich war gezeigt worden [8,9], dass die dunklen Klumpen in [5] Knäuel dicht gepackter Pilzhyphen sind, womit die zuweilen heftig verteidigte absurde Fehldeutung als Kot niemals gesehener Milben entfällt und folglich die hier beschriebenen Bemühungen erfolgreich waren (siehe auch [12,13].)
Bildbreite 1.4mm, Fundstück Rh2/21.6, 2001 nahe Rhynie gefunden.
Dieses Bild mit zerfallendem Pflanzengewebe veranschaulicht das Erscheinen zellengroßer schwarzer Klumpen. Vor dem Verkieseln hatte die innerhalb befallener Zellen gewachsene schwarze Füllung die polyedrische Form der Zellen stabilisiert, so dass deren polygonale Umrisse meist gut erkennbar sind, während die leer gebliebenen Zellen zerdrückt wurden.
Nirgends ein Hinweis auf die Beteiligung von Milben !
Einfache Merkregel kkKK-kK: kleine kantige Klumpen im Kieselholz - keine Koprolithen.
[1] R.W. Baxendale: Plant-bearing coprolites from
North American Pennsylvanian coal balls.
Palaeontology 22(1979), 537-548, plates 65,66.
[2] H.-J. Weiss: chertnews.de Fossil Wood News 8
[3] R. Rößler: The late palaeozoic tree fern
Psaronius - an ecosystem unto itself.
Rev. Palaeobot. Palyn. 108(2000), 55-74.
doi:10.1016/S0034-6667(99)00033-0
[4] D.W. Kellog, E.L. Taylor:
Evidence of oribatid mite detrivory in Antarctica ...
J. of Paleontology 78(2004), 1146-53.
doi:10.1666/0022-3360(2004)078<1146:EOOMDI>2.0.CO;2
[5] M. Barthel, M. Krings, R. Rößler: Die schwarzen Psaronien von Manebach, ihre Epiphyten, Parasiten und Pilze. Semana 25(2010), 41-60.
[6] Zhuo Feng, Jun Wang,
Lu-Yun Liu:
First report of oribatid mite (arthropod) borings and coprolites in Permian woods ...
Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 288(2010), 54-61.
doi:10.1016/j.palaeo.2010.01.035
[7] C. Strullu-Derrien, S. McLoughlin,
M.A. Mørk, D.G. Strullu:
Arthropod interactions with bennettitalean roots in a Triassic permineralized peat ...
Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 348-349(2012), 45-58.
doi:10.1016/j.palaeo.2012.06.006
[8] M. Krings, T.N. Taylor,
C.J. Harper, M. Barthel:
Endophytic fungi in a Psaronius root mantle from the Rotliegend of Thuringia, Germany.
87th Annual Conference Paläontologische Gesellschaft, Dresden, Sept. 11-15, 2016.
[9] M. Krings et al.: Fungi in a Psaronius root mantle ..., Rev. Pal. Pal. 239 (2017), 14-30. doi:10.1016/j.revpalbo.2016.12.004
[10] H.-J. Weiss: Antarktischer Mist, chertnews.de Fossil Wood News 11.
[11] H.-J. Weiss: Angebliche Koprolithen, chertnews.de Fossil Wood News 4.
[12] H.-J. Weiss: Kleine kantige Klumpen im Kieselholz, chertnews.de Fossil Wood News 45
[13] H.-J. Weiss: Holzfäule oder Koprolithen? chertnews.de Fossil Wood News 46

47